Berichte von der diesjährigen Reise nach Kenia


2./3.11.2018
 
Mit KLM sind wir wieder gut in Nairobi gelandet und wie immer in unserem Godial Bed and Breakfast freundlich empfangen worden.
Durch Fotograf Jean Molitor hatten wir in diesem Jahr einen ganz anderen Zugang zu Nairobi: wir durchstreiften die Stadt auf der Suche nach Häusern der Neuen Moderne, des Architekten Ernst May und wurden fündig. Das erste Mal hatten wir Augen für die unterschiedlichen, zum Teil sehr interessanten Gebäude im Zentrum von Nairobi.

 
 
 





















Am Samstag waren wir dann das erste Mal in Kibera im Mchanganyiko und trafen dort unsere Kooperationspartnerinnen Zena und Mama Hamza von GinCo Kibera. Zena hatte am Vortage ein Seminar durchgeführt zu Extremismus, um die Eltern für Frühwarnzeichen zu sensibilisieren. Scheinbar wird in Kibera von der Al Schabab intensiv versucht, junge Menschen anzuwerben, mitzunehmen und für ihre Zwecke zu benutzen.

 
 
 





















Zena ist jetzt Kleinunternehmerin und stellt Saft aus Zuckerrohr her, den sie in Kibera verkauft, um das geringe Einkommen zu erhöhen. Ihre Mutter, Mama Hamza, bekommt keinen Cent Rente!
 
 
Gemeinsam planten wir die weiteren Besuche in Kibera, Watoto und die Fahrt nach Meru. 5.11.2018
In Kibera wurden die Mitglieder von GinCo Germany, Bernd Pfeiffer, Helga Oback, Jutta Wolf, Gudrun Korthus und Ulrike Behme-Matthiessen, von Mama Hamza herzlich willkommen geheißen.
Sie berichtete ernüchtert von der aktuellen politischen Situation in Kenia mit nach wie vor ausgeprägtem Tribalismus und Korruption. Nach wie vor erlebt sie sich als Nubierin benachteiligt, obwohl sie in der 3. Generation in Kenia lebt. Sie hat sich 40 Jahr für das Gemeinwesen engagiert, hat u.a. verschiedene Frauengruppen aufgebaut, erhält jetzt aber keine Rente und ist von ihren Kindern abhängig.

 
 
 





















Danach trafen wir uns mit den 10 GinCo Mädchen, die alle in einer Klasse sind. Wir waren überrascht, wie stark das Zentrum Mschanganyiko besucht wird, wieder fand eine große Veranstaltung statt.
Die Mädchen beeindruckten uns durch ihre Selbstsicherheit, sie antworteten auf Fragen zu Schulalltag, Talenten und Zukunftsvorstellungen. Die Berufsvorstellungen waren zum großen Teil unrealistisch (Journalistin, Pädiaterin, Juristin etc). Wie schon in den Jahren vorher wird eine handwerkliche Ausbildung nur als Notnagel angesehen.
Bei Thema „Belastung durch Hausarbeit“, bzw „ Habt Ihr freie Zeit für euch?“ fingen mehrere Mädchen an zu weinen, weil auf ihnen die ganze Last des Haushaltes und der Versorgung der Geschwister ruht, da die Mütter arbeiten müssen Von den 10 Mädchen hatte keines einen Vater zu Hause.
 
Auf der anderen Seite gaben sich die Mädchen in der Gruppe viel Halt, Nähe, Mitgefühl und Unterstützung. Ein Gespräch über Talente eröffnete erstaunliche neue Perspektiven. Es outete sich ein Mädchen als Komödiantin, es gab eine Fussballerin und eine Sängerin, die auch gleich ein 10 strophiges Lied schmetterte.

 
 
 





















In Begleitung von Zena und Lehrern setzte sich dann der Zug mit uns und den 10 Mädchen in Bewegung, um die im Frühjahr 2018 angepflanzten Bäume zu bewundern. Die Pflanzaktion war von den Mädchen vorbereitet worden, die Bäume in der nahegelegenen Schule wirkten gut versorgt, ganz anders als in der danach besuchten Bezirksverwaltung von Kibera, wo sie dahin mickerten.
Für den Rückweg ins Mchanganyiko wurden wir alle in ein Matatu gestopft.
 
Beim Warten aufs Taxi zeigte Jutta Wolf den Mädchen einen kurzen Tanz, wofür sie sich mit einem eigenen Tanz bedankten.
6.11.2018
 
Heute besuchten wir das Skill Up Programm in Watoto, das berufliche Ausbildung
( vocational training) für 300 junge Menschen nach Abschluss der 8. Klasse anbietet und mit dem GinCo über die Welthungehilfe in Kontakt gekommen ist. Zena von GinCo Kenia hat 2018 sieben Mädchen nach Watoto in Ausbildungsprogramme vermittelt.
Gegründet wurde das Zentrum von einer katholischen Bruderschaft aus Uganda, zu Beginn gab es nur eine Grundschule, die berufliche Ausbildung kam 2009 ( finanziert durch u.a.
Welthungerhilfe) dazu. 2014 wurde eine Babygruppe eröffnet, so dass auch junge Mütter ihre Ausbildung fortsetzen können. Folgende Ausbildungen werden angeboten:

 
 
 



















Schneider – Design
 
 
Catering Kunsthandwerk Mechaniker/in Elektriker/in
Dazu kommt eine Grundausbildung am PC.
 
Es wird „ kitchen gardening“ betrieben, so dass die jungen Menschen lernen, auch auf kleinem Raum etwas für den Eigenbedarf anzubauen, da Lebensmittel in Kenia extrem teuer geworden sind.

 
 
 




















Die Kosten (ca 1200 Dollar pro Jahr) müssen zu einem Drittel während der Ausbildung bezahlt werden, der Rest kann später abbezahlt werden, wenn eine Arbeit gefunden worden ist. Wichtig ist ein Eigenbetrag der Eltern, auch wenn er teilweise abgearbeitet wird, um Eigenengagement und innere Beteiligung zu stärken. Es gilt aber das Prinzip, dass keiner/keine aus finanziellen Gründen abgelehnt wird.
Gemeinsam mit Zena wurde unsere Gruppe sehr freundlich empfangen, durch alle Arbeitsbereiche geführt, anschließend gab es ein Gespräch mit LehrerInnen und ProjektorganisatorInnen über Möglichkeiten der Zusammenarbeit. Es wurde deutlich, das die Ausbildungssituation in Kenia aktuell im Umbruch ist ( Pflicht zum Besuch einer Secondary School), so dass konkrete Planungen im Moment nicht möglich sind.
Anschließend wurden wir zu einem leckeren Mittagessen der Cateringklasse eingeladen.

 
Am Nachmittag gab es intensive Nachgespräche innerhalb der „GinCo Germany“ Gruppe darüber,
wie die Ausbildungsmöglichkeit im „Skill up“ Programm von GinCo finanziell unterstützt werden kann. Zena hat vorgeschlagen, dass GinCo die Hälfte des Elternbeitrages übernehmen könnte ( ca 200 Dollar pro Jahr ), wenn die Eltern nicht in der Lage sind, den vollen Beitrag zu zahlen.
Viele Ideen, viele Gespräche, ein anregender Besuch.
 
2. Bericht der Keniareise November 2018
 

7.11.2018

 
Am Mittwochnachmittag ging es gemeinsam mit dem Kibera Team (Mama Hamza, Zena und Jerry) mit einem Klein-Matatu mit sehr flottem Driver nach Meru. Wie jedesmal waren wir fasziniert von der abwechslungsreichen, sehr grünen und hügeligen Landschaft von Meru County.
  


Wir lieben Traditionen, so kamen wir wieder im Hotel Westwind unter.
 
Sehr enttäuscht waren wir, als wir erfuhren, dass weder das Team aus Kisumu, mit denen wir fest gerechnet hatten, noch das Wamba Team kamen. Rebecca vom Wamba Team war erkrankt und liegt in Maralal, der Bezikshauptstadt, im Krankenhaus, Jacinta ging nicht ans Telefon. Das GinCo Team Kisumu hatte angeblich den Termin vergessen. Wahrscheinlicher ist, dass Golda sich der Kritik an ihrer Mentorinnen Fortbildung durch die anderen Teams entziehen wollte.
Abends waren Ulrike und Gudrun eingeladen bei Dr. Sarah Kilimi, Chefin der kooperierenden NGO „TVT“ und langjährige Mitarbeiterin in der Uno (Vermittlerin im Versöhnungsprozess in Ruanda zwischen Hutus und Tutsi).


In ihrem wunderschönen Haus gab es Essen für eine ganze Kompanie, anwesend war Oliver, ehemaliger Mitarbeiter des TVT, sowie des GinCo Teams und jetzt ein guter Freund von uns. Er ist inzwischen Direktor eines Zentrums für behinderte Kinder, in dem 300 Kinder betreut werden.
 
 
   
Weiter war anwesend Doreen, jetzt CEO des TVT und zuständig für die Kooperation mit GinCo, eine junge und fitte Frau, die vor 4 Monaten ein Baby bekommen hat.
Gemeinsam bereiteten wir das GinCo Treffen für den nächsten Tag vor.
 

8.11.2018

 
Zu zehnt fuhren wir mit zwei Autos (Jeremy aus Kibera und Fotograf Jean im Kofferraum) 45 Minuten zum TVT Zentrum ins ländliche Umland Merus. Anwesend waren auch 10 Schülerinnen, Lehrer und Lehrerinnen der umliegenden Schulen, sowie eine junge Ms Winfred Kagwiria, Senior Gender Advisor oft he Ministry of Education.
In einer allgemeinen Vorstellungsrunde bekamen auch die Mädchen viel Raum für eine persönliche Vorstellung. Im Gegensatz zu Kibera wirkten diese Mädchen deutlich belasteter mit sehr wenig Selbstbewusstsein und auch miteinander weniger verbunden.